Wednesday 30. September 2020

Beispiele und Zitate von Unternehmen zu Corona

 

Die folgenden Zitate sind Auszüge von 141 Antworten der TRIGOS Einreicher 2020. Die Fragen an die einreichenden Unternehmen im Rahmen der Online-Erhebung lauteten sehr klar und einfach:

1) Was bedeutet die Corona-Krise für Ihr Unternehmen?

2) Hat sich durch Corona etwas an Ihrem Projekt bzw. an den in Ihrer Einreichung geschilderten Maßnahmen geändert?

 

Die Unternehmen haben darum auch offen und ohne vorgegebene Kriterien geantwortet.

 

Die Antworten wurden den fünf zentralen Erkenntnissen bzw. Dimensionen von Zukunftsfähigkeit zugeordnet.

 

Erkenntnis 1: Die Unternehmen passen flexibel ihre Strategie an

 

→ Dimension 1 der Zukunftsfähigkeit: Strategie und Kerngeschäft

 

„Die globale Pandemie stellte unsere weltweiten Niederlassungen vor große Herausforderungen. Allerdings sehen wir diese Krise auch als immense Chance, um ein neues Verständnis von Arbeit zu schaffen und Dinge zu hinterfragen. In Krisenzeiten zeigt sich der Charakter eines Unternehmens und hier übernehmen wir Verantwortung–für unsere MitarbeiterInnen und für die Gesellschaft. So haben wir unsere Produktion umgestellt und entwickeln seit kurzem Face-Shields zum Schutz der Menschen gegen das Virus.“
(Greiner Packaging GmbH, Sattledt/Oberösterreich)

 

„Die Corona–Krise bedeutet jedoch auch das Aufbrechen gewohnter Strukturen und Abläufe. Neue Kommunikationswege zu finden und sich bewusst zu werden, welche Wege wirklich wichtig sind und welche man einsparen kann – auch zum Vorteil der Umwelt und Ressourcen.“
(BREDDY'S GmbH, Wien)

 

„Unser Motto „I schaug auf Di. Du schaugsch auf mi.“ hat eher noch mehr Gewicht bekommen. Nicht nur weil sich die Bundesregierung unseren Jahrhunderte alten Leitspruch ausgeliehen hat, sondern vor allem inhaltlich. Wir sind noch bewusster, noch konsequenter und noch schneller in der Umsetzung unserer Werte und Maßnahmen.“
(Familien-Landhotel Stern, Obsteig/Tirol)

 

„Auch wir bleiben am Ball: Wir nutzen die Zeit, um sowohl das Projekt selbst als auch die Kommunikation zu optimieren. Denn wir sind überzeugt: Auch eine funktionierende regionale Wirtschaft braucht ein stabiles globales Klima. Dazu leisten wir als Unternehmen unseren Beitrag. Jetzt mehr denn je.“
(Sutterlüty Handels GmbH, Egg/Vorarlberg)

 

„Das auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank hat schon sehr viele große Wirtschafts- und Währungskrisen und zwei Weltkriege überstanden. Wir sind sicher, dass dies auch in der gegenwärtigen Krise gelingen wird.“
(Raiffeisenbank Längenfeld eGen, Längenfeld/Tirol)

 

„Für das Posthotel Achenkirch hat die Krise bewiesen, dass es sich auszahlt, nachhaltig zu wirtschaften und soziale Verantwortung zu übernehmen. Das Hotel steht auf einem gesunden finanziellen Boden. Auch das ist eine wichtige Verantwortung, wie wir gerade jetzt erkennen, damit wir auch nach der Kurzarbeit weiterhin alle Arbeitsplätze sichern können.“
(Posthotel Achenkirch GmbH, Achenkirch/Tirol)

 

Erkenntnis 2: Die Unternehmen stellen die MitarbeiterInnen in den Fokus

 

→ Dimension 2 der Zukunftsfähigkeit: Führung und Kultur

 

„Wir haben durch Corona noch verstärkte Maßnahmen zur Mitarbeiter-Zufriedenheit gesetzt, die von der Auszahlung von Sonderprämien, über Hygiene-Schutz (Plexiglas-Wände, Mundschutz, Handschuhe, Mitarbeiter-Infos, Kunden-Infos), öffentlichen Danksagungen des Vorstands bis zu Freistellungen für die Kinderbetreuung gereicht haben. Mit einer eigenen Kampagne unter dem Titel „Helden des Alltags“ haben wir unsere Mitarbeitenden, die unermüdlich an der Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Nahversorgung gearbeitet haben, auch unseren Kunden vorgestellt und damit intern zusätzlich motiviert.“
(SPAR Österreichische Warenhandels AG - Zweigniederlassung Tirol, Wörgl/Tirol)

 

„Wir sind in dieser Krise so stark wie noch nie in der Firmengeschichte. Dazu beigetragen haben endogene Faktoren wie die permanente Auseinandersetzung mit strategischen Fragen, die Schaffung finanzieller Rücklagen, die regelmäßige Optimierung unserer Prozesse und besonders das Projekt „CSS-Team 2020“ Aber auch exogene Faktoren (branchenübergreifend verstärkender Druck zur Digitalisierung, Trend zu Regionalisierung) sorgen dafür, dass wir gefragter sind denn je ohne Kündigungen oder Kurzarbeit.“
(CSS Computer-Systems-Support GmbH, Wien)

 

„Diese Krise ist eine der größten Herausforderungen unserer Firmengeschichte. Gleichzeitig stellt sie eine große Chance dar, vieles Gewohnte zu überdenken, zu hinterfragen und neu aufzustellen. Wir haben schon die letzten Jahre viele Schritte gesetzt, die jetzt maßgeblich zur Bewältigung der Krise beitragen. Dazu zählen unsere Vision „Mit Menschlichkeit zum Erfolg“ und Digitalisierung 4.0. Ich darf zum jetzigen Zeitpunkt zum Glück sagen, dass wir dank der sehr raschen Umstellung auf die Produktion von bedruckten MNS-Masken einige Lücken schließen konnten. Dies war durch den flexiblen, kreativen (corona-)disziplinierten Einsatz vieler Mitarbeiter möglich und spiegelt deren Einstellung und den Zusammenhalt wider. Wichtiger ist, dass alle Mitarbeiter gesund sind." (Fahnen-Gärtner GmbH, Mittersill/Salzburg)

 

„Die schrittweise Rückkehr in unseren gewohnten Alltag geht verantwortungsvoll, achtsam und rücksichtsvoll weiter. Unser Team geht bisher mit viel Improvisationstalent, Flexibiliät, Kreativität und Zusammenhalt durch diese außergewöhnlichen Zeiten. In den vergangenen Wochen haben wir eine enorme Welle der Solidarität, Loyalität und Rückhalt bei unseren KundInnen, Lieferanten, Partnern und vor allem unseren MitarbeiterInnen verspürt, was uns sehr stolz und unglaublich dankbar macht. (…) Wir sind zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, alle begonnen Projekte auch in Zukunft weiter zu führen, alle Arbeitsplätze zu sichern und weiter zu expandieren."
(Grüne Erde GmbH, Scharnstein/Oberösterreich)

 

Erkenntnis 3: Die Unternehmen reagieren mit Innovationen

 

→ Dimension 3 der Zukunftsfähigkeit: Resilienz und Innovation

 

„Durch die COVID-19 Maßnahmen haben wir schnell gesehen, dass unser Geschäftsmodell nicht komplett ideal für die derzeitigen Herausforderungen ist. Deswegen haben wir sofort alles unternommen, um unseren Onlinehandel zu stärken. (…) Den entscheidenden Vorteil dieser COVID-19 Krise sehen wir im Sinneswandel unserer KundInnen von analogem zu digitalem Kaufverhalten, was für uns ein sehr wichtiger Faktor für die Zukunftsorientierung ist."
(ERUi Organic sustainable cosmetics, Wien)

 

„In meiner Geschichte als Selbständiger hatte ich, wie vermutlich alle Unternehmer, schon mehrere harte Zeiten und besondere Herausforderungen erlebt. Diese aktuelle Zeit ist sicher sehr schwierig für viele Branchen und Bereiche. Ich selbst bin aber davon überzeugt, und es zeichnet sich auch schon ab, dass wir als Sieger aus dieser Phase hervorgehen werden. Man kann jede Situation so oder so sehen - ich sehe sie als Chance für unser Unternehmen. Die aktuelle Auftragslage ist ausgezeichnet – so haben wir seit März schon sechs zusätzliche Mitarbeiter anstellen können."
(HOLC Laßnig GmbH, Völkermarkt/Kärnten)

 

„Die vielzitierte „VUCA-Welt“ ist mit einem Schlag Realität geworden und wir wurden vor existenziellen Fragen gestellt: Erhalt der Liquidität, Sicherung von Materialversorgung und Lieferketten, Reaktion von Kunden etc. Corona hat uns aber auch gezeigt, dass unser Unternehmergeist und unsere Strategiearbeit dazu beitragen, dass wir auf unvorhersehbare Ereignisse (wie eben Corona im aktuellen Fall) schnell und zielgerichtet reagieren können.

 

Erfahrungen/Learnings aus dem speziellen Anlassfall Corona:

  • Corona als „Evolutionsbeschleuniger“: Einsatz von neuen/modernen Medien, Videokonferenzen; mehr Verantwortungsübernahme/-bewusstsein der Mitarbeiter…
  • Wichtigkeit von starken Lieferketten (Regionale Stärkung, weg vom Single-Sourcing, Aufbau von mehreren Lieferantenoptionen („MIX“))
  • Bereinigungseffekt durch die Krise bringt große Chancen („innovative Entwicklungschancen“)

Jede Krise hinterlässt eine Story, eine Spur, Erfahrungen für die Zukunft. Wir glauben fest daran, dass wir mit dem Überwinden der Krise ein weiteres, sehr wichtiges – wenn auch schwieriges – Kapitel unserer Unternehmensgeschichte schreiben und gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.“
(PMS Elektro- und Automationstechnik GmbH, St. Stefan/Lavanttal/Kärnten)

 

Erkenntnis 4: Die Unternehmen halten an Nachhaltigkeit fest

 

→ Dimension 4 der Zukunftsfähigkeit: Umwelt und Ressourcen

 

„Corona hat uns gezeigt, was für die Gesellschaft in Zukunft wichtig ist bzw. ist durch Corona ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen, der das Bewusstsein auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben gelenkt hat. Für uns bedeutet das: Viele Projekte für eine nachhaltigere Zukunft, die schon lange in unseren Köpfen aber bisher in den Schubladen geblieben sind, werden nun schneller und konsequenter umgesetzt. Corona hat uns aufgezeigt, dass einiges nicht mehr im Lot war. Zu viel Konsum auf Kosten der Ressourcen, der Umwelt und der Menschen, die diese Produkte produzieren.“
(Hubmann Kaufhaus GmbH, Stainz/Steiermark)

 

„In der aktuellen Krise wird deutlich, dass es ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem braucht. Unsere Zukunftsvision ist ein zirkuläres Wirtschaftssystem. Das eingereichte Projekt steht für diese neue Zukunft. Es symbolisiert einen echten Systemwandel und ist damit relevanter als je zuvor. Wir sind überzeugt, dass Plastikprodukte niemals zu Abfall werden dürfen, sondern im Kreislauf geführt werden sollten. Unser Engagement und unser Willen zur Veränderung sind daher von Corona gänzlich unberührt.“
(Greiner Packaging GmbH, Sattledt/Oberösterreich)

 

„Corona ändert gar nichts an unserem Projekt und an unserer Philosophie. „Jetzt erst recht“, heißt die Devise. Corona wird zum Umdenken, zu einem neuen bewussteren und menschlicheren Miteinander in der Gesellschaft und Wirtschaft führen. Gerade jetzt sind jene Werte gefragt, an denen wir schon seit einigen Jahren arbeiten, die wir leben und unseren Mitarbeitern und Kunden vermitteln. Global denken und regional handeln wird zu einem neuen Eckpfeil werden (…müssen) um solche massiven Maßnahmen (wie dieser Shutdown) künftig zu verhindern.“
(Fahnen-Gärtner GmbH, Mittersill/Salzburg)

 

„Durch die Corona Krise wird uns wieder vor Augen geführt, dass Lebensmittel nicht zigtausende Kilometer quer über den Erdball reisen müssen bevor sie in den Handel kommen. Regionalen Lebensmitteln muss man Vorrang geben.“
(Kärntnermilch reg. Gen.m.b.H., Spittal an der Drau/Kärnten)

 

„Nein, es hat sich gezeigt, dass der eingeschlagene Weg der absolut richtige ist. Alles was möglich und sinnvoll ist, selbst in der Einrichtung durchzuführen, lokal zu kaufen um die regionale Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen und nicht von weltpolitischen Einschränkungen abhängig zu sein. (…) Wir können nur allen Betrieben empfehlen, die Beschaffungsprozesse auf mögliche Abhängigkeiten zu überprüfen und wenn nötig zu ändern. Auch wenn Eigenlösungen oder der „Kauf im eigenen Ort/Land“ auf den ersten Blick etwas teurer erscheinen, es kommt immer auf die Gesamtbetrachtung der Vor- und Nachteile an.“
(Altenwohnheim Kitzbühel GmbH, Kitzbühel/Tirol)

 

„Corona hat uns noch mehr bestärkt, den Weg weiter zu gehen. Es hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, die regionalen Strukturen aufrecht zu erhalten. Wie wichtig unsere Bauern und Produzenten sind. Die Menschen sind näher zusammen gerückt, sie waren solidarisch. Die Kunden hatten Freude und Ruhe beim Einkauf. Die Produkte selbst wurden bewusst ausgewählt und eine Grundzufriedenheit über das Sein war bei uns im Geschäft spürbar.“
(D&M GmbH - Dein´s & Mein´s, Klagenfurt/Kärnten)

 

Erkenntnis 5: Die Unternehmen übernehmen Verantwortung für Betroffene

 

→ Dimension 5 der Zukunftsfähigkeit: Gesellschaft und Wertschöpfung (Umfeld)

 

„Viele haben in dieser Krise ihre Arbeit verloren oder müssen mit finanziellen Einbußen rechnen. Dies betrifft gleichermaßen Firmen wie Privatpersonen. Da es unsere Firmenphilosophie entspricht, aus allem das Beste zu machen und das was man hat optimal zu nützen, haben wir beschlossen, unser Wissen weiterzugeben. Wir sind dabei, das soziale Setting auszubauen und bieten Hilfe zur Selbsthilfe an.

  • Projekt 1: Kochvideos von der Expertin für Nachhaltige Ernährung Frau Oberhauser und Ihren Mitarbeiterinnen „Die Omas“, wie man aus wenigen Zutaten günstige und gesunde Speisen zubereitet. (…) Diese werden dann auf YouTube, Facebook und Instagram unter „Best of the Rest Österreich“ in den nächsten Wochen präsentiert.
  • Projekt 2: Kochkurse für soziale Einrichtungen und deren KlientInnen. Gerade Menschen, die aus einem sozial schwachen Umfeld kommen, fehlt oft das Wissen, wie man sich und seine Familie gesund und günstig ernähren kann.
  • Projekt 3: Nachhaltiger, wirtschaftlicher Umgang mit Lebensmitteln in der Gastronomie  (…) Wir wollen grade die krisengeschüttelten UnternehmerInnen in der Gastronomie und Hotellerie unterstützen, da gerade in diesen Bereichen hohe finanzielle Einsparungen möglich sind.“

(BEST OF THE REST - Lebensmittel sind kostbar!, Klagenfurt/Kärnten)

 

„Da Seedpap ein ganz junges Unternehmen ist, hat uns die derzeitige Situation hart getroffen (Designmärkte wurden abgesagt, Vertriebspartner mussten Geschäfte schließen, Aufträge für Veranstaltungen und Hochzeiten wurden storniert...) Die Umsätze gingen von einem Tag auf den anderen gegen Null, und Aufträge wurden storniert.  (…)  Ich habe in den letzten Wochen einen Teil meiner Produkte gegen eine Spende für die Vinziwerke Graz verschenkt (…). Diesen sozialen Aspekt von Seedpap möchte ich auch für die Zukunft beibehalten und arbeite da gerade an einem Konzept."

Mag. Marion Peternell (Seedpap, Tobelbad/Steiermark)

Träger
http://www.trigos.at/